
Diesen Roman schrieb sie im Alter von 16 Jahren, einige Monate nach „Le pavillon des enfants fous“. Es ist die Geschichte zweier Kinder, Wilfried (15 Jahre) und Malika (10 Jahre). Ihre Mutter ist gestorben und ihr Vater war viel auf Geschäftsreisen und nur selten zu hause. Der Reihe nach erzählt jede Figur diese Geschichte. Hier erzählt Valérie von Liebe und Glück, mit großer Spontanität. Aber sie spricht auch vom Tod. Jedoch ist hier der Tod nicht etwas Negatives, wie wir es kennen. Der Tod ist hier das Tor zu einer anderen Welt, wo die Liebe wirklich existiert.
Malika liebt ihren Bruder über alles, er stellt für sie ihre Familie dar. Wilfried ist überfordert angesichts dieses Kindes, das fast schon eine Frau ist und das die Wahrheit mit solcher Spontanität ausspricht. Sie versuchen, die Leere, die durch den Tod ihrer Mutter und der Abwesenheit ihres Vaters entstanden ist, auszufüllen. Dieser Letztgenannte überlässt Wilfried die Verantwortung, die er zu tragen hätte. Wilfried spielt bei Malika sowohl die Rolle des Vaters als auch die Rolle der Mutter. Eines Tages lernt Wilfried eine schöne Frau kennen, mit der er sehr schnell eine Beziehung eingeht. Malika fühlt, daß ihr Bruder ihr entgleitet. Für die aufrichtige Liebe Malikas wird er die schöne und kaltherzige Frau verlassen. Dann werden sie mehr denn je vereint sein und die Welt wird ihnen unerträglich werden.
Mit eben solcher Kraft wie in „Le pavillon des enfants fous“ macht es uns Valerie unmöglich, uns dieser Geschichte einer verschmelzenden Liebe zu entziehen. Diese Buch wird Sie auch nicht in Ihrem normalen Gemütszustand zurücklassen.
Dieser Roman ist am 26 April 1979 in den Buchhandlungen erschienen.
Hier die Zusammenfassung auf der Rückseite des Buches:
„Malika ist 10 Jahre alt, Wilfried 15 und sie sind Geschwister. Zwei Kinder, die ihren Vater nur selten sehen und sich in einer riesigen Wohnung allein überlassen sind. Zwischen ihren Schulbesuchen, die sie verabscheuen, ihren tausend Spielen und Launen, dem Ansehen von Filmen, entdecken sie, daß sie sich lieben und daß sie einander unentbehrlich sind in der Welt, die sie sich außerhalb des für Kinder ihres Alters normalen Verlaufs der Dinge errichtet haben. Wilfried wird von einer erwachsenen Frau in das Geheimnis der Liebe eingeweiht, aber er entkommt nicht, er kehrt zurück zu Malika, die nicht ohne ihn leben kann. Und diese Leidenschaft, die die Tabus ignoriert, entwickelt sich außerhalb der Welt der Erwachsenen und endet tragisch.
Malika ist ein Liebesroman. Gleichzeitig intensiv, zärtlich, grausam und beunruhigend. Va1erie Valère ist eine Schriftstellerin, die mit den Worten der jungen Generation die mysteriöse Intimität der Jugend beschreibt.
Auszug:
.Die dunklen Straßen und die gut gekleideten Frauen. Die verdreckte Metro und der Bus, der nicht kommt. Ein trauriges Kinderlächeln. Eine Hoffnungslosigkeit, die auch der infernalische Lärm der Wagonräder nicht ersticken kann. Eine Tür öffnet sich auf eine Einsamkeit und auf eine Liebe zu zweit, ein großes Mysterium eines jungen Blickes. Eine Frage, ein Ruf, den ich nicht verstehe.“
S. 186
(Dieses Buch ist in deutscher Sprache unter dem Titel „Malika , oder komm mit in meinen Traum“ erschienen.)